DIE SAKRAMENTE

Das Reuegebet

Saintly Redaktion 8 Min. Lesezeit
Illustration einer offenen Kapellentür zu einem sonnigen Garten
Kurz gesagt

Das Reuegebet ist ein kurzes Gebet, in dem du Gott sagst, dass dir deine Sünden leidtun und du dir mit seiner Gnade vornimmst, nicht wieder zu sündigen. In der Beichte sprichst du es, nachdem der Priester dir die Buße aufgegeben hat, und vor der Lossprechung. Wenn dir die Worte fehlen, ist „Herr Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders“ eine anerkannte Form.

Für viele Katholiken ist das Reuegebet das Gebet, das sie mit acht gelernt haben und mit dreißig nur noch halb können. Es ist auch das Gebet, das im Beichtstuhl am meisten Nervosität auslöst, weil es genau in dem Moment kommt, in dem man die Worte am liebsten richtig hätte.

Dieser Beitrag gibt dir den Wortlaut, erklärt, was das Gebet eigentlich sagt, und zeigt genau, wo es in der Beichte seinen Platz hat. Außerdem geht es um die kürzeste anerkannte Form, für den Tag, an dem dein Gedächtnis leer ist.

Was ist das Reuegebet?

Das Reuegebet ist ein kurzes Gebet, in dem ein Christ Gott sagt, dass ihm seine Sünden leidtun, und sich mit seiner Hilfe vornimmt, nicht wieder zu sündigen. Es bringt den inneren Akt zur Sprache, den die Kirche Reue nennt und der das Erste und Wichtigste ist, was ein Beichtender mitbringt.

Der Katechismus nennt die Reue „den Seelenschmerz und den Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen“, und sagt: „Unter den Akten des Pönitenten steht die Reue an erster Stelle.“ (KKK 1451). Das Gebet ist kein Passwort. Es ist die ausgesprochene Form von etwas, das innen echt sein muss.

Es gibt keinen einzigen vorgeschriebenen Text. Die Feier der Buße bietet mehrere Formen an, und verschiedene Länder und Familien haben ihren eigenen überlieferten Wortlaut. Jeder davon ist gültig, wenn er aufrichtig gebetet wird. Der Priester prüft dich nicht auf den genauen Wortlaut und fragt auch nicht, welche Fassung du als Kind gelernt hast.

Wie lautet das Reuegebet?

Im deutschen Sprachraum ist die folgende kurze Form verbreitet. katholisch.de, das Portal der Deutschen Bischofskonferenz, nennt sie in seiner Beichtanleitung. Viele Pfarreien legen sie im Beichtstuhl auf einer Karte bereit.

Ich bereue, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr.

Die Feier der Buße erlaubt auch ein noch kürzeres Gebet, das die Worte des Zöllners im Evangelium und das alte Jesusgebet aufnimmt:

Herr Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders.

Eine längere klassische Form, wie sie etwa im englischen Sprachraum gebetet wird, steht zusammen mit dem Kurzgebet auf der Seite der US-Bischofskonferenz zum Reuegebet, die sich auf die Feier der Buße beruft. Die Kurzform greift das Gebet auf, das Jesus im Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner lobt: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Lk 18,13).

Was bedeuten die Teile eines Reuegebets?

Ein vollständiges Reuegebet hat drei Teile: Reue darüber, Gott beleidigt zu haben, die Gründe für diese Reue und einen festen Vorsatz für die Zukunft. Die klassische längere Form bringt sie in den folgenden Sätzen zum Ausdruck. Jeder Teil entspricht dem, was die Kirche über die Reue lehrt, und wer die Bedeutung kennt, betet das Gebet, statt es nur aufzusagen.

„Es tut mir von Herzen leid, dich beleidigt zu haben.“ Sünde ist zuerst eine persönliche Beleidigung Gottes, nicht nur eine gebrochene Regel. Das Gebet beginnt damit, die Beziehung zu benennen, die die Sünde verletzt.

„Ich verabscheue alle meine Sünden wegen deiner gerechten Strafen.“ Dieser Satz gibt einen ehrlichen, niedrigeren Beweggrund zu: die Furcht vor den Folgen der Sünde. Die Kirche tut diesen Beweggrund nicht ab. Sie nennt ihn unvollkommene Reue und nimmt ihn als echten Ausgangspunkt ernst.

„Vor allem aber, weil sie dich beleidigen, meinen Gott, der du ganz gut bist.“ Hier greift das Gebet nach dem höheren Beweggrund: Reue, weil die Sünde jemanden verletzt, der gut ist und über alles geliebt zu werden verdient. Das nennt die Kirche vollkommene Reue.

„Ich nehme mir fest vor, mit Hilfe deiner Gnade nicht mehr zu sündigen.“ Reue ohne Vorsatz ist keine Reue. Der Vorsatz verspricht nicht, dass du nie wieder fällst. Er ist eine aufrichtige Absicht, getragen von der Gnade und nicht von bloßer Willenskraft.

„Und die nächste Gelegenheit zur Sünde zu meiden.“ Das ist der praktischste Satz des Gebets. Eine nächste Gelegenheit ist ein Mensch, ein Ort oder eine Situation, die dich verlässlich zu einer bestimmten Sünde führt. Sich vorzunehmen, sie zu meiden, ist oft der Punkt, an dem echte Veränderung beginnt.

Als Ganzes geht es in dem Gebet weniger darum, sich schlecht zu fühlen, als darum, umzukehren. Es benennt die Schuld, gibt gemischte Beweggründe zu, bittet um Gnade und legt sich auf eine konkrete Änderung fest. Darum ruht es auf einer Verheißung und nicht auf der eigenen Anstrengung. Die Schrift sagt es klar: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (1 Joh 1,9). Mit dem Reuegebet nimmst du Gott beim Wort.

Wann sprichst du das Reuegebet in der Beichte?

Du betest es gegen Ende, nachdem du deine Sünden bekannt und der Priester dir eine Buße und vielleicht einen Rat gegeben hat. Meist lädt er dich dazu ein. Danach spricht er die Worte der Lossprechung.

Der Katechismus nennt den gewöhnlichen Ablauf der Feier: Gruß und Segen des Priesters, Lesung des Wortes Gottes, dann „persönliches Sündenbekenntnis vor dem Priester; Auferlegung und Annahme der Buße; Lossprechung durch den Priester; danksagender Lobpreis und Entlassung mit dem Segen des Priesters“ (KKK 1480). Das Reuegebet steht zwischen der Annahme der Buße und der Lossprechung.

In der Praxis klingt eine Beichte so. Du beginnst etwa mit: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Meine letzte Beichte war vor zwei Monaten“, und nennst deine Sünden. Der Priester sagt vielleicht ein paar Worte und gibt dir eine Buße. Dann lädt er dich ein, das Reuegebet zu sprechen. Du betest es laut, er spricht dich los, und du gehst und verrichtest deine Buße. Wenn dich der übrige Ablauf nervös macht, führt dich unser Leitfaden Beichten nach vielen Jahren durch jeden Schritt.

Was ist der Unterschied zwischen vollkommener und unvollkommener Reue?

Vollkommene Reue ist Reue über die Sünde, weil sie Gott beleidigt, den du über alles liebst. Unvollkommene Reue beginnt bei der Furcht vor Strafe oder beim Abscheu vor der Sünde selbst. Beide sind Geschenke der Gnade, und die unvollkommene Reue genügt für das Sakrament der Beichte.

Der Katechismus erklärt die vollkommene Reue in KKK 1452: „Eine solche Reue läßt die läßlichen Sünden nach; sie erlangt auch die Vergebung der Todsünden, wenn sie mit dem festen Entschluß verbunden ist, sobald als möglich das sakramentale Bekenntnis nachzuholen.“

Von der unvollkommenen Reue sagt er, sie sei „ebenfalls ein Geschenk Gottes, ein Anstoß des Heiligen Geistes“; allein erlange sie noch nicht die Vergebung schwerer Sünden, bereite aber darauf vor, sie im Bußsakrament zu erhalten (KKK 1453). Viele überlieferte Reuegebete enthalten mit Absicht beide Beweggründe. Sie holen dich dort ab, wo du stehst, und weisen dich weiter.

Kann man das Reuegebet auch außerhalb der Beichte beten?

Ja, und die Kirche ermutigt dazu. Viele Katholiken beten es jeden Abend vor dem Schlafen, oft am Ende des täglichen Examens. Es ist auch ein naheliegendes Gebet, sobald du merkst, dass du gesündigt hast, statt bis zur nächsten Beichte zu warten.

Das tägliche Reuegebet ersetzt das Sakrament nicht. Wenn du dir einer Todsünde bewusst bist, musst du sie vor dem Kommunionempfang beichten; unser Beitrag Was ist eine Todsünde? erklärt die Bedingungen. Aber ein aufrichtiger Akt vollkommener Reue, verbunden mit dem Vorsatz zu beichten, ist in der Zwischenzeit eine echte Rückkehr zu Gott, und die Kirche hat die Gläubigen immer gelehrt, ihn zu erwecken, wenn keine Beichte möglich ist, besonders in Todesgefahr.

Es gibt auch einen leiseren Nutzen. Wer jeden Abend das Reuegebet spricht, kommt selten mit einer langen, verworrenen Liste zur Beichte. Er hat seine Fehler Gott schon Tag für Tag genannt, und die Vorbereitung mit einer Gewissenserforschung wird einfach.

Was, wenn dir im Beichtstuhl die Worte fehlen?

Sag es. Priester hören „Ich weiß das Reuegebet nicht mehr“ regelmäßig und beten es entweder mit dir oder reichen dir eine Karte. Du kannst Gott auch einfach in eigenen Worten sagen, dass es dir leidtut und du versuchen willst, nicht wieder zu sündigen.

Entscheidend sind Reue und Vorsatz, nicht ein perfekter Vortrag. Die Kurzform „Herr Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders“ ist eine anerkannte Möglichkeit in der Feier und in drei Sekunden gelernt. Wenn dich ein längeres Gebet nervös macht, nimm das kurze. Es ist keine schlechtere Wahl.

Wenn du das überlieferte Gebet lernen willst, hilft eine einfache Methode: Lies es eine Woche lang jeden Abend einmal und bete es dann aus dem Gedächtnis, mit dem Text zur Kontrolle vor dir. In der zweiten Woche ist es da, wenn du es brauchst. Viele haben für die ersten Beichten auch ein Foto des Gebets auf dem Handy.

Häufige Fragen

Gibt es nur ein richtiges Reuegebet? +

Nein. Die Kirche kennt mehrere Formen, und viele Länder und Familien haben ihren eigenen überlieferten Wortlaut. Jede anerkannte Form ist gültig, ebenso ein aufrichtiges Gebet in eigenen Worten, das Reue und den Vorsatz ausdrückt, nicht mehr zu sündigen.

Muss ich das Reuegebet auswendig können? +

Nein. Es ist gut, es zu kennen, aber du darfst es von einem Zettel oder vom Handy ablesen oder den Priester um Hilfe bitten. Das Sakrament verlangt echte Reue, kein fehlerloses Gedächtnis.

Warum ist in manchen Reuegebeten von Strafen die Rede? +

Weil die Furcht vor den Folgen der Sünde ein ehrlicher Ausgangspunkt ist, den die Kirche unvollkommene Reue nennt. Solche Gebete gehen dann zum höheren Beweggrund weiter: zur Reue darüber, dass die Sünde Gott beleidigt, der ganz gut ist.

Sollen Kinder das Reuegebet sprechen? +

Ja. Kinder lernen es meist vor ihrer Erstbeichte. Eine einfachere Fassung in eigenen Worten ist in Ordnung, solange sie verstehen, dass sie Gott sagen, dass es ihnen leidtut und sie es besser machen wollen.

Kann ich das Reuegebet jeden Abend beten? +

Ja, und das ist eine sehr gute Gewohnheit. Verbinde es mit einem kurzen Rückblick auf den Tag. Es hält das Gewissen ehrlich und macht die nächste Beichte viel leichter, ersetzt aber die Beichte bei einer Todsünde nicht.